Bericht aus Lüzerath

Uwe Koopmann
KV Friesland

Am Montag, den 11. Oktober, waren wir am Braunkohletagebau Garzweiler. Von weitem sahen wir schon die Kraftwerke. Dann die riesigen Bagger. Und dann die Mondlandschaft des Tagebaus. Auch eine Autobahn endete kurz vor dem Abgrund.

In Keyenberg waren die Häuser gespenstisch leer. Ein Bäcker hatte vormittags noch auf. Die Kirche soll 2023 abgerissen werden. Die Glocken hat die Gemeinde schon jetzt abgenommen. Der Aussichtspunkt Jackerath war von der RWE wegen Protesten in der Nähe gesperrt. Zwei Securities wiesen uns freundlich ab.

Also fuhren wir erst in die Reste des Dorfes Lüzerath. Die Straße dorthin war als Werkstraße der RWE deklariert und nur tagsüber zu befahren. Der Asphalt war schon durch einen Wall eingeengt.

Vor dem Hof des letzten Bewohners Eckhard H. parkten wir. Der Denkmalgeschützte ehemalige Klosterhof mit Ursprüngen um 1200 soll wie alles umzu ganz verschwinden. Die Kulisse mit dem Transparent kennt Ihr sicher aus den Medien.

Ein Transparent der Klimagruppe Friesische Wehde hatten wir nicht dabei. So wiesen wir uns mit den Schacht Konrad Warnwesten aus und hatten schnell Kontakt. Meine Begleiterin traf Aktive vom Kreuzzug, mit denen sie schon in Grohnde zusammengetroffen war. Sie hatten das große gelbe Kreuz dort aufgestellt, wo ein altes Kruzifix schon abgebaut war. Wir sahen zunächst nur wenige Autos. Einzelne Ankommende. Auch ein Fernsehteam aus Potsdam.

An der Mahnwache wurde uns die Entwicklung erklärt.

Die Werkschützer, auch mit Wachhunden, verbreiteten eine ständige Bedrohungsatmosphäre. Einige langweilten sich hinter den Gittern abgesperrter Gebäude.

Dann sahen wir immer mehr Menschen... Hunderte hatten sich auf zwei Wiesenstücken zwischen den letzten Gebäuden, den verbliebenen Bäumen, den RWE-Hallen und der Wüste draußen eingerichtet. Zelte von Minipack bis Zirkuszelt, Wohnmobile, Baumhäuser, Küchen und Toiletten, alles war aktiv und lebte. Diese große Zahl junger Menschen macht Mut und straft die Reden einer passiven Generation Lügen.

Aber was können sie gegen die Macht der RWE und des Staates erreichen?
Hoffnung auf eine Gerichtsentscheidung?
Ein Machtwort der neuen Regierung?
Oder ist die RWE doch schneller und schlägt zu wie bisher?

Der 1. November ist ein brisanter Termin.