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6. Juli 2019 Joachim Augustin

Opium für das Volk

Jan-Hus-Denkmal auf dem Altstädter Ring in Prag von Ladislav Šalom

Das heutige Datum, der 6. Juli 2019, gibt mir die Gelegenheit, ein paar Worte zu einem Mann zu sagen, den einige nicht kennen und denken, was macht diesen Menschen so außergewöhnlich, dass er in die Geschichte eingegangen ist. Dieser Mann ist der tschechische Reformator und Nationalheld Jan Hus (1370-1415).

Am 6. Juli 1415 wurde er als "Ketzer" auf Beschluss des Konstanzer Konzils auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Einem Menschen, der für seine Überzeugungen und Ideale mit seinem Leben bezahlt oder im Gefängnis landet, müssen gerade wir Linken einen besonderen Stellenwert einräumen.

In der heutigen Zeit, in der die Welt an vielen Stellen in Flammen steht und die moralischen sowie ethischen Werte mit Füßen getreten werden, sind Vorbilder wichtig, um nicht zu verzweifeln. Wenn Seenotrettung und die Anlandung in einem sicheren Hafen instrumentalisiert werden kann, um niedrige Instinkte und Ängste gegen Minderheiten zu schüren und daraus politisches Kapital zu schlagen, muss unser Platz an der Seite der Menschen sein, die helfen. In den USA bestimmt ein Rassist und politischer Wirrkopf mit Erpressungen und Lügen die Weltpolitik, wie das alle amerikanischen Präsidenten gemacht haben und bereitet gerade einen neuen Krieg gegen die islamische Republik Iran vor. Und keiner will ihn aufhalten. Oder hat jemand einen Appell des Papstes gehört, der z.B. Hilfe für Migranten-KZs an der mexikanischen Grenze einfordert? Da fällt mir immer gleich Pius XII. ein, ein korrupter Kirchenfürst, der mit Hitler und Mussolini einen guten "Deal" (Lateran-Verträge und Reichskonkordat) für sein Schweigen als Judaslohn bekommen hat.

Jan Hus wollte auch helfen, und zwar den von katholischer Kirche und dem Adel geknechteten und ausgebeuteten Bauern und Handwerkern. In seinem 1413 verfassten Werk "De Ecclesia" (Über die Kirche) übernahm er die Thesen des englischen Theologen John Wyclif (1330-1384), der schon 150 Jahre vor Martin Luther als "Dr. Evangelicus" die Abschaffung des widernatürlichen Zölibats, der Ohrenbeichte, die Heiligenverehrung und des Papsttums gefordert hatte. Wyclif und seine Anhänger, die Lollarden, wurden unerbittlich verfolgt.

Jan Hus hatte erkannt, dass dieses parasitäre System abgeschafft werden muss, da die Mächtigen aus Kirche und Adel die Völker immer wieder in neue Kriege treiben würde. So wie heute der Kapitalismus. Er verlangte die Säkularisierung des gesamten Kirchenbesitzes und das Verbot der Ausübung militärischer Gewalt durch die Kirche. Ein Angriff auf die Grundfesten der Kirche und damit auch auf das Schmarotzertum des Adels. Mit dem Versprechen des freien Abzuges lockte Papst Gregor XII. Jan Hus nach Konstanz. Nach der Weigerung des Widerrufes seiner Thesen und Forderungen verurteilte man ihn zum Tode und verbrannte ihn.

Nun könnte hier die Geschichte enden. Doch ich möchte überleiten zu den Menschen, die uns als Vorbild dienen. Denn für mich sind es zwei Themen, die meine Einstellung und politische Arbeit bestimmen. Da ist an erster Stelle mein Bestreben, das korrupte und menschenverachtende Apartheidregime des Benjamin Netanjahu abzuschaffen und ihn an der Auslöschung der Palästinenser zu hindern. Zum zweiten fordere ich die Abschaffung der Kirchensteuern und die ersatzlose Enteignung sämtlicher kirchlichen Vermögenswerte, die Abschaffung des Kirchenrechts und die Überstellung dieser zahllosen pädophilen perversen Kinderschänder, die sich zu tausenden in der katholischen Kirche zusammengeschlossen haben.

Und wer sich, wie die meisten von uns, intensiv mit Marx beschäftigt hat, kennt seine Aussage: "Die Religion ist das Opium für das Volk!". Dass der Genosse Lenin es etwas vereinfacht hat, ändert nichts an deren Sinn.

In seiner Schrift "Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie" (Deutsch-Französische Jahrbücher, 1844) schreibt Marx in der Einleitung u.a.:
"Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes ist die Forderung seines wirklichen Glücks. Die Forderung, die Illusion über seinen Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand aufzugeben, der der Illusion bedarf. Die Kritik der Religion ist also im Keim die Kritik des Jammerthals, dessen Heiligenschein die Religion ist."

Zum gleichen Thema schreibt Lenin in seiner Abhandlung "Sozialismus und Religion", 1905:
"Die Religion ist eine Form des geistigen Jochs, das überall und allenthalben auf den durch eigene Arbeit für andere, durch ein Leben in Elend und Verlassenheit niedergedrückten Volksmassen lastet. Die Ohnmacht des Ausgebeuteten im Kampf gegen die Ausbeuter lässt ebenso unvermeidlich den Glauben an ein besseres Leben im Jenseits aufkommen, wie die Ohnmacht des Wilden im Kampf gegen die Naturgewalten, der Götter-, Teufels- und Wunderglauben aufkommen ließ. Wer sein Leben lang schafft und darbt, den lehrt die Religion Demut und Geduld im irdischen Leben und vertröstet ihn auf himmlischen Lohn.

Wer aber von fremder Hände Arbeit lebt, den lehrt die Religion Wohltätigkeit hienieder, sie bietet ihm eine wohlfeine Rechtfertigung für sein Ausbeuterdasein und verkauft zu billigen Preisen Eintrittskarten zur himmlischen Seligkeit. Die Religion ist das Opium für das Volk. Die Religion ist eine Art geistigen Fusel, in dem die Sklaven des Kapitals ihr Menschenanlitz, ihren Anspruch auf ein nur halbwegs menschenwürdiges Dasein ersäuft."

Ich glaube, treffender und umfänglicher kann man das perverse Machtsystem der Religion und des Glaubens nicht erklären. Selbst für den Philosophen und Schrifsteller Voltaire (1694-1778) waren Religionsstifter Betrüger um der Herrschft willen.

Fangen wir an, zum Wohle der Menschheit ihre Macht zu brechen und schicken wir sie zur Hölle!

Der Artikel spiegelt die Auffassung des Autors wieder (Anm. d. Red.)