Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.
27. Januar 2019 Joachim Augustin

Gedanken zum Holocaust-Gedenktag

An einem Tag wie den Holocaust-Gedenktag, den mit dem Namen Auschwitz eine ewige Schande für Deutschland verbindet, möchte ich an den 27. Januar 1944 erinnern, ein Tag der mit dem Namen Leningrad an ein ähnliches deutsches Verbrechen erinnert. An diesem Tag befreiten die Soldaten der Roten Armee das seit 900 Tagen eingeschlossene Leningrad, von den Faschisten als "Geburtsstätte des Kommunismus" zum Hungertod bestimmt. In diesen 900 Tagen starben eine Million Menschen durch Beschuss, Krankheiten und eben durch den Mangel an Lebensmitteln.

Dieses von Nazi-Deutschland verursachte Leid und Elend kann niemand ermessen, niemand zählen und niemand beschreiben. Und doch können wir still und sprachlos die Zeilen lesen, die ich aus dem Buch "Russland im Krieg" von Wladimir Karpow, Seite 107, für meine kleine Erinnerung ausgesucht habe:

"Mit mir im selben Haus wohnte eine junge Frau mit Zwillingen. Schon im ersten Blockadewinter lagen beide im Sterben. Auch sie selbst hatte nicht mehr lange zu leben. Sie war zu schwach, einsam und verlassen. Und dann fasste sie eines Tages einen Entschluss. Ich weiß nicht, wie man es nennen kann, aber es fehlen in der menschlichen Sprache dafür die Worte. Sie hatte erkannt, dass sie nicht beide Söhne retten kann. Also hörte sie auf, den einen ihrer Söhne zu füttern. Er starb. Aber der zweite Sohn überstand diese Zeit. Ich habe ihn gestern gesehen, wie er im Hof ging. Ein dürres, blasses Kind mit leeren, traurigen Augen. ABER AM LEBEN!"

An das Schicksal dieser Mutter, die zwischen ihren beiden Kindern über Leben und Tod entscheiden musste, wollte ich erinnern und habe dabei erkennen müssen, dass ein solches Ereignis leider heute wieder möglich ist. Schauen wir nur nach Jemen, wo wieder mit deutschen Waffen Leben vernichtet wird. Kindern, die mit drei Jahren soviel wiegen wie eine Postwurfsendung. Dunkle, leere Augen, die die "Mächtigen" der Welt fragen: "Was haben wir verbrochen?"

Unser aufrichtiger Kampf gilt diesen Verbrechern in Nadelstreifen oder Hosenanzügen. Leider kann die Mütter aus Leningrad ihnen ihre Geschichte nicht mehr erzählen. Aber wir können die Erinnerung für sie weitertragen, unser Handeln danach auszurichten und nicht nur reden, denn es wird sonst immer so weitergehen. Deshalb möchte ich meinen neuen Beitrag mit einem Wort von Martin Luther King beenden:

"Am Ende werden wir uns nicht an die Worte unserer Feinde erinnern, sondern an das Schweigen unserer Freunde."