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7. Februar 2017 Uwe Koopmann

Besichtigung des Bahnhofs in Sande

Foto: Agnes Wittke

Als ich um 17.05 Uhr die Sperrung des Bahnübergangs Mariensiel und das Z der neuen Bahnhofsbrücke überwunden hatte, erwartete mich schon ein Drittel des friesischen Kreisvorstands, Heinz Schwarzer, ziemlich genau an dem Platz, an dem er geboren wurde. Später gab es dort 39 Kleingärten, deren Reste sich nur noch auf der östlichen Bahnseite wiederfanden. Wo vor 75 Jahren ein Zehnfamilienhaus stand, sind jetzt reichlich Parkplätze, sogar drei für Behinderte, eine Taxispur, drei Bussteige und zwei E-Mobil-Tankstellen. Die EU und das Land Niedersachsen hatten sich nicht lumpen lassen. Nur die Gemeinde Sande nörgelt und denkt über Parkgebühren nach, weil sie jetzt mehr Zigarettenstummel wegfegen muss.

Die Bussteige haben niedliche kleine Dächer, unter denen jeweils zehn Einzelreisende Schutz vor Regen - wenn er senkrecht fällt - finden können. Gegen Seitenwind gab es nichts. Die Fahrpläne werden auch nachts beleuchtet, nur fährt dann kaum noch ein Bus.

Wir machten uns auf den Fußweg Richtung Bahnsteig. Der Zug nach Esens war nur wenige Meter entfernt. Um einzusteigen, musste man komplett an ihm entlanglaufen, den Prellbock südlich umrunden und dann von Osten eine Tür suchen, wenn der Zug in der Zwischenzeit noch nicht abgefahren war. Richtung Wilhelmshaven und Oldenburg sind die Wege noch weiter - wohlgemerkt: Nur bis zum Bahnsteig. Auf diesem gab es richtige Fahrpläne. Die elektronischen Anzeigen zeigten alle die gleiche Uhrzeit, nur nicht, was da abfährt. Der kalte Ostwind ließ uns zu einem erleuchteten barackenartigen Kiosk eilen.

Der schriftliche Hinweis: "Eintritt nur bei Verzehr" begrüßte uns freundlich. Zwölf Sitzplätze im Warmen machen an Wochentagen von 6-18 Uhr den Bahnhof Sande zu einem richtig gemütlichen Bahnhof. Das dachte sich wohl auch der Taxifahrer, der einziger Gast war. Bei einem heißem Kaffee konnte man den Anblick der auf dem Bahnsteig frierenden Wartenden viel besser ertragen. Die Kioskbedienung, die wegen der teuren Bahnpreise von Jever lieber mit dem Auto anreist, wollte uns beiden Unbekannten den Namen des Chefs nicht verraten. Später erzählte sie dann mitleidig von den armen älteren Leuten, die mit den Fahrkartenautomaten auf dem Bahnsteig nicht klarkommen und nur die Wahl zwischen Schwarzfahren oder Umkehr haben.

Bahnpersonal - Fehlanzeige!

Halt - es gibt eine Baubaracke und Erklärungen zu den Arbeiten zwischen Varel und Wilhelmshaven. Man sollte doch wissen, warum es 31 Monate lang an den Wochenenden keine Züge gibt. Wenn das zweite Gleis erst einmal fertig ist, freuen wir uns auf die nächste Sperrung für die Elektrifizierung.

Die einfahrenden Nordwestbahnen haben Lokführer und vermutlich auch Kontolleure. Lautsprecherhinweise konnten wir nicht hören. Die Fahrdienstleitung sitzt gut gesichert im alten Bahnhofsgebäude, der jetzt privates Hostel ist und von den Reisenden nicht mehr betreten werden kann. Vor dem ehemaligen Haupteingang sind auf dem Rondell mehrere Gleisstücke aufgebaut. Vielleicht sollen da mal alte Lokomotiven stehen.

Wenn man mal eine öffentliche Toilette sucht - ebenfalls Fehlanzeige. Aber falls der Kiosk geöffnet hat, ist für einen Euro eine Ausnahme möglich.

"Enjoy travelling with Deutsche Bahn" - oder besucht doch auch mal den Bahnhof Sande.

Wir traten erfüllt von so vielen Eindrücken den Rückweg in unseren Kraftfahrzeugen an.